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Positionspapier des 12. Landeselternrates Niedersachsen

 

 

Der Landeselternrat ist die Interessenvertretung der Eltern von über 900.000 Schülern an den niedersächsischen Schulen, der Landeselternrat ist im Schulgesetz verankert und wirkt bei allen wichtigen Fragen des Schulwesens mit, er erörtert diese mit dem Kultusministerium und berät es.

Der Bildungsauftrag der Schule, durch Erziehung und Unterricht die Persönlichkeiten der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln und ihnen dadurch Zukunftsorientierung mit auf ihren Lebensweg zu geben, gilt in gleicher Weise für uns Eltern. Um dieser Aufgabe gemeinsam gerecht zu werden, müssen von Seiten des Landes wesentliche Grundvoraussetzungen geschaffen werden.

Der 12. Landeselternrat, dessen Amtszeit Mitte März zu Ende geht, hat sich in den letzten drei Jahren für diese Aufgabe engagiert. Dieses Positionspapier fasst die wichtigsten Stellungnahmen zusammen und soll gleichzeitig ein Ausblick sein auf die Themen, die auch in Zukunft Eltern und sicher auch den 13. LER beschäftigen werden.

Der Landeselternrat fordert unverändert einen Konsens aller im Landtag vertretenen Parteien in der Frage der zukünftigen Schulstruktur. Unsere Kinder sollen nicht ständig zum Spielball der Politiker und Parteien gemacht werden. Ein großer Teil der Eltern möchte seine Kinder auf Gymnasien schicken. Viele Kinder gehen an Realschulen, immer weniger an Hauptschulen, manche Kinder auf Förderschulen. Andere Eltern bevorzugen die Oberschule als Antwort auf den demografischen Wandel und seit Jahren möchten immer mehr Eltern ihre Kinder auch auf Gesamtschulen schicken. Der Landeselternrat vertritt alle diese Eltern, das nimmt er sehr ernst. Der Landeselternrat ist nicht die „Gesamtschullobby“ und auch nicht die „Gymnasiallobby“. Er ist die umfassende Vertretung aller Eltern mit ihren Kindern, mit allen ihren Facetten und unterschiedlichen Stärken und unterschiedlichen Vorstellungen. Und er tritt ein für ein Schulsystem, das diesen Facetten gerecht wird.

Ganztagsschulen nehmen in unserer sich wandelnden Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein. Die zunehmende Berufstätigkeit beider Eltern, veränderte pädagogische Konzepte und der Wunsch, an den Schulen eine verbesserte Chancengleichheit zu ermöglichen, erfordern ein pädagogisch sinnvolles Ganztagskonzept an möglichst vielen niedersächsischen Schulen. Aus Sicht des Landeselternrates sollten in einem Zeitraum von 10 Jahren alle Schulen als gebundene Ganztagsschulen geführt werden können, wenn die Eltern dies möchten.

Zur Umsetzung einer sinnvollen individuellen Förderung, um allen Kindern gerecht zu werden, gelten kleinere Klassen als ein wichtiger Gelingensfaktor. Deshalb müssen für alle Schulformen schrittweise die Klassengrößen gesenkt werden. Die finanziellen und personellen  Ressourcen hierfür müssen geschaffen werden.

An vielen Gymnasien wird weiterhin über die hohe Belastung der Schülerinnen und Schüler nach Einführung des Abiturs nach 12 Schuljahren geklagt (G8). Der Landeselternrat fordert nicht die Rückkehr zu G9, er mahnt nötige Verbesserungen an und sieht zwingenden Handlungsbedarf an den Gymnasien. Festzustellen bleibt, dass die Umsetzung des G8 fehlerbehaftet war und ist und in der Praxis weiterhin Mängel aufweist, die zu massiven Belastungen der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrkräfte führen. Die Kerncurricula werden nur schleppend und teils unzureichend umgesetzt, die Klassen sind zu groß. Die Gymnasien dürfen nicht nur de facto Ganztagsschule sein, hier muss dringend im Sinne eines rhythmisierten echten Ganztagsangebotes nachgesteuert werden.

In den Integrierten Gesamtschulen findet Differenzierung innerhalb der Schule statt. Eine wachsende Zahl von Eltern möchte ihre Kinder an diese Schulen schicken. Die Hürden für die Errichtung neuer Gesamtschulen sind nach wie vor sehr viel höher als für Schulen des gegliederten Schulwesens. Hinzu kommt die mit besonderen Privilegien ausgestattete Oberschule als neue Schulform. Der Landeselternrat fordert, dass die Ungleichbehandlung von Schulformen aufhört, dass das Abitur an den Integrierten Gesamtschulen wieder ausschließlich nach 9 Schuljahren erreicht wird, dass die Gesamtschulen Regelschulen werden und für die Errichtung die gleichen Zügigkeiten verlangt werden, wie für Oberschulen mit gymnasialem Angebot.

Der Landeselternrat begrüßt es ausdrücklich, dass sich das Land Niedersachsen nun endlich auf den Weg begibt, um die gesetzlichen Voraussetzungen zur schulischen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu schaffen. Die Umsetzung der Inklusion im Bildungsbereich ist ein langfristiger, gesamtgesellschaftlicher Prozess. Allen in Verantwortung stehenden Beteiligten sollte bewusst sein, dass die Umsetzung von Inklusion als Sparmodell von vornherein zum Scheitern verurteilt sein wird.

Mit der Einführung der Eigenverantwortlichen Schule hat sich Niedersachsen die Einführung eines Qualitätsmanagements auf die Fahnen geschrieben. Die Schulinspektion wird als ein wesentliches Instrument der Qualitätsentwicklung und -sicherung betrachtet, eine Spiegelung mit dem Ziel, dass Schulen ihre Arbeit, Unterricht und Erziehungsarbeit regelmäßig prüfen und verbessern. In der durch das Kultusministerium geplanten Neuausrichtung der Schulinspektion sieht der Landeselternrat eine de facto Abschaffung, weil nach den bisher vorliegenden Plänen die meisten Schulen nicht mehr damit rechnen können und müssen, noch jemals inspiziert zu werden. Der Landeselternrat fordert vielmehr eine flächendeckende, in regelmäßigen Abständen wiederkehrende (z.B. alle 6 Jahre) Schulinspektion für alle Schulen.

Der Zugang zu Bildung muss für Eltern und Schüler kostenfrei sein.

Viele der oben aufgeführten Maßnahmen bedürfen umfangreicher personeller und finanzieller Ressourcen. Im Klartext gesprochen: Sie kosten viel Geld. Angesichts knapper Haushaltsmittel und Schuldenbremse müssen wir alle uns natürlich auch die Frage stellen, woher dieses Geld kommen soll. Auch hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert und muss die Prioritäten für eine zukunftsorientierte Bildung setzen und abklären, wo für den Staat neue Mittel zu generieren sind oder wie die vorhandenen Mittel gezielt für die Bildung eingesetzt werden können. Wir müssen auch über Möglichkeiten nachdenken, wie innerhalb des Bildungssystems Finanzspielräume zu schaffen sind. Und auch über Tabu-Themen wird man dann sprechen müssen: Muss wirklich jede kleine Schule an jedem Standort erhalten werden, auch wenn es pädagogisch wenig Sinn macht? Welche Rolle können hier Kooperationen zwischen Schulen übernehmen?

Können nur verbeamtete oder angestellte Lehrer und Pädagogen eine optimale Ganztagsbetreuung gewährleisten oder geht das auch mit externen Kooperationen und andere Vertragsformen? Welche Arbeitszeitmodelle für Lehrer werden zukünftig sinnvoll sein? Darüber hinaus fordert der Landeselternrat verbindliche Lehrerfortbildungen und eine umgehende Anpassung der Lehrerausbildung an die Veränderungen im Bildungswesen, insbesondere unter dem Aspekt der Umsetzung der Inklusion.

Der Landeselternrat engagiert sich für Schulen, die unseren Kindern eine bestmögliche Bildung vermitteln und den Bedürfnissen der einzelnen Schüler gerecht werden. Wir haben die Vision einer Alltagszufriedenheit an Schulen für alle.

Wir stehen vor großen Herausforderungen im Bildungsbereich. Die hierfür erforderlichen Prioritäten müssen von möglichst vielen mitgetragen werden. Zickzack-Kurse im Bildungssystem kennen wir zur Genüge. Die Weichenstellungen für ein zukunftsfähiges Bildungssystem müssen jetzt erfolgen und dann auch mittelfristig Bestand haben und nicht nach jeder Wahl geändert werden.

 

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